Kindertheater FunkenFlug zeigte in der Brücke eine “Reise in die Nacht” für alle Mutigen.

Krispel-kraspel-schnipsel-schnapsel – ojemine, die kleine Frau kann ein gar unheimliches Liedchen singen von den Geräuschen, die in der Nacht ihr Bett umtosen. Wenn das ganz dunkle Dunkel, das ohne Mondgesicht und Laternenschimmer, kommt und wenn dieses Dunkel auch noch Huckepack Geräusche anschleppt, dann kann einem schon bange werden ums Herz. Aber eines Tages hat sie ihr Fracksausen während einer Reise in die Nacht überwunden. Und damit die im Theatersaal der Brücke mal vor Wonne brabbelnde, dann wieder vor Gespensterschiss bibbernde Kindergartenbande auch ein für alle Mal die Angst abschütteln konnte, nahm die kleine Frau (ganz großartig in ihrer fantasievollen und anregenden Ein-Frau-Show: Katrin Lowitz vom Theater FunkenFlug aus Hamburg) sie gestern mit auf eine Reise in die Nacht.
Das bezaubernde an diesem Angstverkleinererstück für alle Mutigen und solche, die es noch werden sollen, war, dass es auf karger Bühne und ohne Requisitenhokuspokus zu fesseln vermochte. Der Charme lag in der bewusst gesetzten Improvisation, die die Fantasie der Kinder wohl mächtiger in Schwung bringt als Illusion perfekt imitierter Wirklichkeit. Auf ihrer Reise wider das nächtliche, angstgebeutelte Lichtschalterflitzen reichte Katrin Lowitz ein kranichähnlicher Regenschirmknauf, um einen zickigen Vogel zu imaginieren. Danach war´s wieder nur ein Schirm, mit dem sie ein Gewitter niederfocht. Und wie war das nun in der Nacht, allein mit dem Hasen im Zelt? Alles hört sich anders an, wenn ich es nicht sehen kann! Und wenn dann noch der Fuchs ums Zelt… Klug hat sie eine Indianer-kennt-keine-Angst-Philosophie vermieden. Vielmehr muss man lernen, mit den Gespenstern der Nacht zu leben und sie auszuhalten. Außerdem: Der Fuchs ist doch auch nur ein Angsthase!

Susanne Jasper, Braunschweiger Zeitung, 07.11.2003